Die 5 Phasen einer Spekulationsblase, und wie du sie erkennst

5 Phasen der Spekulationsblase

Sehr oft wird mir die Frage gestellt, ob in Deutschland eine Spekulationsblase im Immobilienmarkt bereits besteht, oder ob trotz der Preissteigerungen der letzten Jahre diese Entwicklung noch keiner Immobilienblase gleichkommt.

Welche Indikatoren auf eine Immobilienblase hinweisen, habe ich bereits in meinem separaten Artikel zum Thema besprochen.

In diesem Artikel geht es vielmehr um das eigentliche Phänomen einer Spekulationsblase – ob Immobilienblase oder Spekulationsblase in einer anderen Anlagekategorie. Und wie sich so eine Blase entwickelt, und woran du sie erkennst.

Die 5 Phasen der Spekulationsblase im Überblick

Diese Phasen wurden in zahlreichen Fällen beobachtet: Im Falle von Immobilienblasen, aber auch bei anderen Anlageklassen. Die fünf Phasen widerspiegeln nämlich genau das menschliche Verhalten, welches sich bei jeder neuen Spekulationsblase wiederholt.

Die Ökonomen Hyman Minsky und Charles Kindleberger haben bei einer Spekulationsblase fünf Phasen identifiziert, welche den Verlauf des Zyklus genau beschreiben.

Diese fünf Phasen wurden in der folgenden Grafik zusammengefasst und illustriert.

5 Phasen der Spekulationsblase
Quelle: FUW

Phase 1: Verlagerung

Investoren entdecken ein „neues Paradigma“, welches durch einen sogenannten exogenen Schock herbeigeführt wird. Zum Beispiel eine neue Technologie, ein innovatives Produkt oder etwas, was einzigartig die wirtschaftliche Entwicklung verändern kann. Beispiele hierfür sind eine Rohstoffknappheit oder historisch niedrige Zinsen.

Wichtig ist, dass das „neue Paradigma“ fälschlicherweise als neu bezeichnet wird. Zwar hat die neue Technologie (z.B. das Internet Ende der neunziger Jahre) einen signifikanten Einfluss auf unser Leben und die Wirtschaft, jedoch bleiben, im Gegensatz zum Glauben der Spekulanten, ökonomische Prinzipien und Bewertungsmodelle unverändert. Gerade dies wird den Investoren bei einer Spekulationsblase zum Verhängnis.

Phase 2: Boom

Preise steigen allmählich, anfänglich langsam, dann immer schneller, weil sich das Wort verbreitet und die Presse über die bereits überproportionalen Gewinne der boomenden Anlageklasse berichtet.

Die sogenannte FOMO („Fear Of Missing Out“ – also die Angst, es zu verpassen) führt dazu, dass immer mehr Investoren auf den bereits fahrenden Zug aufspringen. So wird der Wert der neuen Anlageklasse weiter in die Höhe getrieben.

Phase 3: Euphorie

Typisch bei einer Spekulationsblase ist, dass Menschen, die ansonsten nicht aktiv investieren, ebenfalls plötzlich Interesse zeigen, und oft ahnungslos dem neuen Trend folgen.

Der Wert der Anlageklasse steigt nur noch mehr aufgrund der steigenden Nachfrage, und ist mittlerweile von der Realität und traditionellen Bewertungsmethoden abgekoppelt. Die Teilnehmer am Boom rechtfertigen dies, indem sie behaupten, dass bei diesem „neuen Paradigma“ traditionelle Bewertungsmethoden nicht mehr anwendbar sind, und erfinden stattdessen neue Bewertungsmethoden, um die aktuellen Kurse zu rechtfertigen. Denn „diesmal sei alles anders“.

Zahlreiche Marktteilnehmer werden sich verschulden, um mehr investieren zu können. Eben gerade, weil sie an das „neue Paradigma“ glauben.

Joe Kennedy, Börsenmillionär und Vater des amerikanischen Präsidenten John Fitzgerald Kennedy, bekam im Jahre 1928 einen Aktientipp von einem Schuhputzer. Kennedy sah dies als Warnsignal, denn „wenn schon Schuhputzer Aktientipps geben, so ist es wohl Zeit, Aktien zu verkaufen.“

1929 erfolgte der große Börsencrash.

Phase 4: Finanzielle Not

Insider und Experten beginnen zu verkaufen. Die Preise fangen an zu fallen. Die Masse sieht die niedrigeren Kurse vorerst als Kaufgelegenheit.

Die verschuldeten Marktteilnehmer geraten aber bei fallenden Kursen in finanzielle Not und müssen verkaufen, was zu weiteren Kurseinbrüchen führt.

Nun kommen auch finanzielle Unregelmäßigkeiten ans Licht, z.B. von Firmen, die ihre anfänglichen Verluste verschleiern wollten, oder deren Geschäftsmodell von Anfang an nur darauf abzielte, auf dubiose Art durch den Boom Geld zu verdienen.

Phase 5: Panik und Abscheu

Investoren halten sich nun von der Anlageklasse fern, die Preise fallen auf ein sehr niedriges Niveau. Die Fehlinvestitionen und Insolvenzen zahlreicher Firmen und Investoren haben eine Auswirkung auf die Realwirtschaft. Sehr oft folgt aus einer Spekulationsblase eine Rezession.

Beispiele von Spekulationsblasen in der Geschichte

Spekulationsblasen sind nichts Neues. Sie sind ein ganz normaler Ausdruck des menschlichen Verhaltens und widerspiegeln einfach die Angst, etwas zu verpassen, vor allem wenn dein Nachbar bereits damit reich geworden ist.

Einer der bekanntesten Spekulationsblasen der menschlichen Geschichte ist die Tulpenblase (auch Tulpenmanie genannt), welche zwischen 1630 und 1637 in den Niederlanden entstand. Die Blase platzte und ruinierte zahlreiche Beteiligte, was wiederum der niederländischen Wirtschaft einen großen Schaden zufügte.

In der jüngsten Vergangenheit sind weitere Beispiele die Spekulationsblase mit Technologieaktien Ende der neunziger Jahre sowie die Immobilienblase in den USA oder jene in Spanien, welche 2008 zu einer weltweiten Rezession führten.

Ob und wo die Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland herrscht, bespreche ich in meinem separaten Artikel zu dem Thema.

2 Gedanken zu „Die 5 Phasen einer Spekulationsblase, und wie du sie erkennst“

    1. Stephan Gasteyger

      Vielen Dank.

      Es folgen auf jeden Fall weitere Artikel zum Thema Hauskauf, Immobilien Investments und ebenfalls Immobilienblase. Falls Ihr an bestimmten Themen besonderes Interesse habt, könnt Ihr es uns gern mitteilen über stephan@hauskauf-blog.de.

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