Bringt 2021 eine Trendwende für Zwangsversteigerungen?

Zwangsversteigerungen 2021

Die Anzahl Zwangsversteigerungen in Deutschland ist in den letzten Jahren ständig gesunken. Kommt es 2021 zu einer Trendwende?

Einige Faktoren sprechen dafür.

Und zwar braucht es keinen Immobiliencrash, damit Zwangsversteigerungen wieder ansteigen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Immobilieneigentümer und Schuldner, die signifikant von der Coronakrise getroffen wurden, unter Druck kommen.

Anzahl Zwangsversteigerungen in Deutschland
Quelle: Argetra, Haufe, Hauskauf Blog

Gewerbeimmobilien am stärksten betroffen

Gewerbeimmobilien sind zweifellos am meisten von der Krise betroffen. Und ganz besonders Gewerbe in Branchen wie Gastronomie oder Hotellerie haben unter den Corona Maßnahmen stark gelitten.

So werden zahlreiche kleinere Betriebe Mühe haben, ihren Miet- oder Darlehenszahlungen nachzukommen. Hinzu kommt, dass oft Firmenimmobilien oder sogar das Eigenheim des Unternehmers als Sicherheit für die Unternehmensfinanzierung dienen.

Gewerbepleiten und die dadurch entstandene Arbeitslosigkeit werden außerdem dazu führen, dass auch Angestellte in den am meisten betroffenen Sektoren immer mehr Mühe haben, ihre Immobiliendarlehen zurückzuzahlen.

Anstieg der Insolvenzen führt 2021 zu mehr Zwangsversteigerungen

Zwangsversteigerungen sind oft das letzte Mittel, um die Interessen der Gläubiger zu befriedigen. Zum Besipiel darf im Normalfall eine Zwangsversteigerung frühestens sechs Monate stattfinden, nachdem ein Kredit von einer Bank gekündigt wurde. Sehr oft kann es sogar mehrere Jahre dauern.

Ab Oktober 2020 ist bereits mit einem Anstieg der Insolvenzanträge in Deutschland zu rechnen, da ab dann für akut zahlungsunfähige Unternehmen die Insolvenzantragspflicht wieder gilt, nachdem sie wegen der Coronakrise vorübergehend aufgehoben wurde.

In ihrem NPL Barometer (NPL: Non-Performing Loans, also Problemkredite) berichtet die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing, dass Risikomanager der Finanzindustrie eine Verdoppelung der Kreditausfälle bis 2021 erwarten.

So wird bei Krediten für Wohnimmobilien 2021 mit einem Anstieg der Ausfallquote auf 1,94% gerechnet (2020: 1,43%). Besonders stark soll die Ausfallquote bei unbesicherten Konsumentendarlehen steigen. Hier wird für 2021 ein Anstieg auf 4,47% (2020: 3,03%) erwartet.

Bis jetzt ist noch kein Anstieg der Zwangsversteigerungen zu beobachten. Wir können aber davon ausgehen, dass aus den oben besprochenen Gründen die Anzahl Zwangsversteigerungen 2021 wieder zunimmt.

Zwangsversteigerungen Deutschland
Quelle: Automate Estate

Investoren mit Finanzkraft werden profitieren

Die erschwerte Kreditvergabe mancher Banken wird dafür sorgen, dass nur finanziell stärkere Käufer noch zu einem Darlehen kommen. Ein Kauf oder eine Refinanzierung mit wenig Eigenkapital sind schwieriger geworden.

So werden jene, die unter der Krise nicht gelitten oder sogar davon profitiert haben (z.B. Angestellte oder Teilhaber von erfolgreichen Tech Unternehmen, Anwaltskanzleien, etc.) den immer noch günstigen Zugang zum Kapital nutzen, um u.a. in Immobilien zu investieren. Andere mit einer sicheren Stelle werden schon länger für den Hauskauf Eigenkapital gespart haben und profitieren nun von den noch günstigeren Zinsen. Oder sogar von niedrigeren Preise in strukturell schwächeren Regionen.

Denn falls das Angebot von Objekten an Zwangsversteigerungen 2021 wieder zunimmt, bedeutet dies auch mehr Chancen für Investoren mit Kapital, Schnäppchen am Immobilienmarkt zu finden.

Eine klare Konsequenz davon ist, dass die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wächst. Ein Phänomen, dass auch am Immobilienmarkt noch deutlicher zum Vorschein kommen wird.

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