Optionsstrategie als zusätzliche Einkommensquelle

Optionsstrategie

In meinem Artikel zur Wertsteigerung von Immobilien habe ich die Hebelwirkung der Fremdkapitalaufnahme beim Hauskauf besprochen. Diese führt zu einer höheren Gewinnrendite als ein Hauskauf ohne Fremdkapital oder ein Aktienkauf ohne Marge.

Angesichts der niedrigen Zinsen lohnt es sich heutzutage kaum noch, sein Eigenkapital für einen künftigen Hauskauf auf einem Sparkonto anzulegen. Konservative Aktieninvestments, zum Beispiel Werte mit einer hohen Dividendenrendite, sind daher eine sinnvollere – wenn auch etwas riskantere – Alternative.

Neben Dividenden und allfälligen Wertzuwächsen von Aktieninvestments kann mit Optionen auf Aktien ebenfalls ein Hebeleffekt erzielt werden – ähnlich wie jener beim Hauskauf mit Fremdkapital. Außerdem können Optionen genutzt werden, um zusätzliches Einkommen zu generieren.

Was sind Optionen?

Optionen sind Derivate, deren Wert sich von einem Basisprodukt ableitet. Das Basisprodukt kann zum Beispiel eine Aktie, ein Rohstoff oder ein Index sein. Optionen können aber ebenfalls beim Hauskauf angewendet werden, oder beim Kauf von Kunstwerken oder Sammlerobjekten.

Hier konzentriere ich mich auf das Beispiel einer Aktie als Basisprodukt. Und ich erkläre dir, wie du mit relativ wenig Kapital neben Dividenden deine Rendite auf Aktieninvestments zusätzlich erhöhen kannst.

Wie funktionieren Optionen?

Mit dem Kauf einer Option erwirbst du das Recht, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft einen bestimmten Basiswert zu einem vorab definierten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Man unterscheidet zwischen Call und Put Optionen. Mit diesen kann auf eine bestimmte Kursrichtung des Basisprodukts spekuliert werden. Sie können aber ebenfalls als Absicherung von bestehenden Depotpositionen verwendet werden.

Typischerweise handelt es sich beim Kauf einer Option um einen Optionskontrakt für 100 Anteile. Wichtig ist hier der Multiplikatoreffekt: Denn eine Option gibt dir das Recht, 100 Anteile zu kaufen oder zu verkaufen. Liegt der Ausübungspreis des betreffenden Basisprodukts – also z.B. der Aktie – bei 50 Euro, so gibt dir eine Call Option das Recht, zum Ausübungsdatum 100 Aktien zu 50 Euro zu kaufen für einen Gesamtbetrag von 5000 Euro. Dies falls der Kurs der Aktie zum Ausübungsdatum über 50 Euro liegt.

Wichtig ist, dass du mit dem Kauf einer Option immer nur das Recht auf den Kauf bzw. Verkauf erwirbst, jedoch nicht die Pflicht, diese Option auszuüben. Außerdem kannst du eine Option jederzeit vor dem Ausübungsdatum wieder verkaufen, sofern genügend Liquidität im Handel der betreffenden Option besteht. Du brauchst diese keineswegs bis zum Ausübungsdatum zu behalten.

Die Option kaufst du vom sogenannten Optionsverkäufer (Stillhalter), der dir garantiert, dass du deine Option ausführen kannst. Dieser bekommt für den Verkauf der Option eine Prämie, welche er behält, unabhängig vom darauffolgenden Ablauf des Basiswerts.

Die für die Option bezahlte Prämie (der Preis der Option) hängt vom Ausübungspreis, der Laufzeit bis zum Ausübungsdatum, der Volatilität des Basiswerts und dem aktuellen Kurs des Basisprodukts ab.

Call Option

Eine Call Option gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis (Ausübungspreis oder Strike) bis zu einem bestimmten Fälligkeitstag (Ausübungsdatum) zu kaufen. Eine Call Option kaufst du im Normalfall wenn du einen Kursanstieg über den Ausübungspreis erwartest. Steigt der Basiswert, so steigt auch der Wert der Call Option.

Bei einer Call Option hat der Stillhalter die Pflicht, dir den Basiswert zum Ausübungspreis zu verkaufen, wenn der Kurs des Basiswerts am Ausübungsdatum über dem Ausübungspreis (oder Strike) liegt.

Put Option

Eine Put Option gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis (Ausübungspreis oder Strike) bis zu einem bestimmten Fälligkeitstag (Ausübungsdatum) zu verkaufen. Eine Put Option kaufst du im Normalfall wenn du mit einem fallenden Kurs unter den Ausübungspreis rechnest. Fällt der Basiswert, so steigt der Wert der Put Option.

Bei einer Put Option hat der Stillhalter die Pflicht, den Basiswert von dir zum Ausübungspreis zu kaufen, wenn der Kurs des Basiswerts zum Ausübungsdatum unter dem Ausübungspreis (oder Strike) liegt.

Die Rolle des Stillhalters

Der Verkäufer (Stillhalter) ist bei einer Put Option zum Kauf bzw. bei einer Call Option zum Verkauf des Basiswertes verpflichtet. Er kann nicht entscheiden, ob die Option ausgeübt wird oder nicht.

Verkauft der Stillhalter zum Beispiel eine Put Option, muss er am Ausübungsdatum typischerweise 100 Anteile des Basiswerts pro Optionskontrakt kaufen, zum vereinbarten Ausübungspreis.

Praktisches Beispiel

Ich werde in diesem Artikel die Aktie des US Telekomkonzerns AT&T als Beispiel benutzen. Dies aus mehreren Gründen:

  1. Die Aktie und ihre Optionen verfügen über genügend Liquidität.
  2. Der Aktienkurs befindet sich (zum 10. März 2021) knapp unter 30 USD, eine Option auf 100 Anteile würde somit bei Ausübung zu einer Aktienposition von ca. 3000 USD führen. Das passt viel eher in ein Portfolio als ein Optionskontrakt für zum Beispiel 100 Amazon Aktien zu 3000 USD pro Stück, also 300000 USD.
  3. Die AT&T Aktie verfügt über eine hohe Dividendenrendite von c. 7%. Die Dividende wird einmal im Quartal ausgezahlt (c. 0.52 USD vor Steuern).

Wichtig: Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für die AT&T Aktie, und alles hier besprochene dient lediglich als Beispiel! Du solltest vor dem Handel mit Aktien und Optionen immer selber gut genug informiert sein, um Entscheidungen zu treffen.

Beispiel 1: Du erwartest einen steigenden Aktienkurs

Der Aktienkurs liegt heute bei c. 30 USD. Gehst du davon aus, dass bis Januar 2022 der Kurs weit über 30 liegen wird, kannst du z.B. die Call Option mit Ausübungspreis 30 USD und Ausübungszeitpunkt 21. Januar 2022 kaufen. Die Option kostet heute ca. 1.90 USD.

Liegt der Kurs zum 21. Januar 2022 bei 35 USD, kannst du zu dem Datum 100 Aktien für 30 USD kaufen, also für einen Betrag von 3000 USD. Deren Wert beträgt dann 3500 USD. Dein Profit liegt somit bei

3500 – 3000 – 190 = 310 USD

Wobei 190 dem Kaufbetrag der Option entspricht (Optionskontrakt von 100 Anteilen zu jeweils 1.90 USD). Dies entspricht einem Gewinn von 63% (310/190) im Vergleich zu 24% (500/3000 + 7% Dividende) hättest du lediglich 100 Aktien gekauft.

Beispiel 2: Du erwartest einen sinkenden Aktienkurs

Der Aktienkurs liegt heute bei 30 USD. Gehst du davon aus, dass bis Januar 2022 der Kurs weit unter 30 liegen wird, kannst du z.B. die Put Option mit Ausübungspreis 30 USD und Ausübungsdatum 21. Januar 2022 kaufen. Die Option kostet heute ca. 3.50 USD.

Liegt der Kurs zum 21. Januar 2022 bei 25 USD, kannst du zu dem Datum 100 Aktien für 30 USD leer verkaufen (falls du die Aktien nicht im Portfolio hattest) bzw. eine bestehende Aktienposition von 100 Anteilen zu 30 USD veräußern. Dies für einen Betrag von 3000 USD. Deren Wert beträgt dann 2500 USD, du könntest sie somit sofort zu diesem niedrigeren Kurs zurückkaufen. Dein Profit beläuft sich auf:

3000 – 2500 – 350 = 150 USD

Wobei 350 dem Kaufbetrag der Option entspricht (Optionskontrakt von 100 Anteilen zu jeweils 3.50 USD). Die Put Option hätte dich somit gegen den sinkenden Aktienkurs zumindest teilweise geschützt.

Optionen Verkaufen als Einkommensquelle

Statt Optionen zu kaufen kannst du ebenfalls Optionen verkaufen und somit zum Stillhalter werden. Wichtig ist, dass du dir aber der Risiken bewusst bist und meinem allerwichtigsten Tipp zum Risikomanagement folgst (mehr dazu weiter unten).

Zurück zu unserem Beispiel von AT&T.

Voraussetzung ist, dass du als Stillhalter genügend Liquidität im Portfolio hast, um gegebenenfalls 100 Aktien zu insgesamt 3000 USD zu kaufen. Wichtig ist ebenfalls, dass du eine solche Transaktion nur ausführst bei einem Basisprodukt, das du kennst und bereit bist, zu kaufen, falls du dazu verpflichtet wirst.

Als Beispiel verkaufen wir hier eine Put Option (Short Put) mit Ausübungspreis (Strike) 30 USD und Ausführungsdatum 1. April 2021. Die Prämie (der Preis) dieser Put Option liegt bei 0.84 USD.

Unsere sehr wichtige Risikomanagement Maßnahme ist, dass wir ebenfalls eine Put Option zu 25 USD (Long Put) kaufen. Fällt der Kurs in dem Zeitraum zwischen heute und dem Ausführungsdatum somit von 30 auf 20, sind jegliche Verluste unter 25 vom Long Put gedeckt. Wir verlieren also maximal:

(30 – 25) x 100 = 500 USD

Ohne Long Put als Schutzmaßnahme hätten wir bei einem Kurs von 20 USD zum Ausübungszeitpunkt

(30 – 20) x 100 = 1000 USD

verloren.

Der Long Put kostet lediglich 0.04 USD.

Die Transaktion sieht somit wie folgt aus:

Verkauf von 1 Put option zu 30 USD (zum 01. April 2021): 0.84 USD und

Kauf einer Put Option zu 25 USD (zum 01. April 2021): 0.04 USD.

(0.84 – 0.04) x 100 = 80 USD

Du erhältst eine Nettoprämie von 80 USD durch diese Transaktion (84 USD durch den Verkauf des 30 USD Puts minus 4 USD durch den Kauf des 25 USD Puts).

Nun kommt es zu einem der drei folgenden Szenarien.

Szenario 1: Der Kurs des Basiswerts liegt am Ausübungsdatum über beiden Ausübungspreisen

Der Kurs der AT&T Aktie liegt zum 1. April 2021 über 30 USD: Die Put Optionen sind daher wertlos.

Du kannst die Prämie von 80 USD behalten, ohne Aktien kaufen zu müssen.

Szenario 2: Der Kurs des Basiswerts liegt am Ausübungsdatum zwischen den beiden Ausübungspreisen

Der Kurs der AT&T Aktie liegt zum 1. April 2021 zwischen 25 und 30 USD (angenommen der Kurs liegt bei 27 USD): Du bist jetzt verpflichtet, 100 Aktien zu jeweils 30 USD zu kaufen, also zu 3000 USD.

Dein Verlust beläuft sich auf:

(30 – 27) x 100 – 80 = 220 USD

wobei (30 – 27) dem Kursverlust entspricht und 80 USD der Nettoprämie, die du durch den Verkauf der Option erhalten hast.

Szenario 3: Der Kurs des Basiswerts liegt am Ausübungsdatum unter den beiden Ausübungspreisen

Der Kurs der AT&T Aktie liegt zum 1. April 2021 unter 25 USD – angenommen er liegt auf 23 USD. Du erleidest den maximalen Verlust von 500 USD, da du verpflichtet bist, die Aktien zu 30 USD zu kaufen, sie aber auch wieder zu 25 USD verkaufen kannst:

(30 – 25) x 100 = 500 USD

Hast du aber die Aktie genügend recherchiert und siehst du das Risiko eines weiteren Kurseinbruchs als gering, so solltest du viel eher die Put Option mit 25 USD Ausübungspreis (hier deine Long Put) kurz vor dem Ausübungsdatum (1. April 2021) verkaufen und die 30 USD Put Option (dein Short Put) durch den Käufer ausüben lassen.

Liegt der Aktienkurs auf 23 USD, ist deine 25 USD Put Option kurz vor dem Ausübungsdatum 2 USD wert (ein Optionskontrakt somit 200 USD).

Du bist nun im Besitz von

100 Aktien x 23 USD = 2300

Dein Verlust beläuft sich auf:

(30 – 23) x 100 – 80 – 200 = 420 USD

wobei (30 – 23) dem Verlust vom sinkenden Aktienkurs entspricht, multipliziert mit der Anzahl Anteile (Aktien) mit einem Optionskontrakt; 80 USD entspricht der durch den Verkauf der Optionen erhaltenen Nettoprämie, und 200 USD dem Gewinn durch den Verkauf der Long Put Option zu 25 USD.

Einkommen durch Dividende

Ein Grund weshalb ich in diesem Beispiel die AT&T Aktie gewählt habe ist die Tatsache, dass der Dividenden Stichtag für die Quartalsdividende der Firma am 7. April ist. Das bedeutet, dass Aktionäre, die an diesem Tag die Aktie halten, in den folgenden Wochen die Quartalsdividende erhalten werden. Diese liegt voraussichtlich bei 0.52 USD.

In den oben besprochenen Szenarien 2 und 3 bist du im Besitz von 100 Aktien – du erhältst somit

100 x 0.52 USD = 52 USD

als Quartalsdividende (vor Steuern). Dein Verlust verringert sich um diesen Betrag.

Einkommen durch Verkauf der Position

Wie bereits erwähnt solltest du die hier besprochene Strategie nur verfolgen mit einer Aktie die du bereit bist, längerfristig zu halten. Bei einem stabilen oder steigenden Kurs nach dem Dividenden Stichtag kannst du jedoch schon sehr bald profitabel verkaufen. Im Szenario 3 müsstest du die Aktie eventuell längerfristig halten, damit die Position profitabel wird.

Zusätzliches Einkommen kannst du aber ebenfalls erwirtschaften, indem du den Ausstieg aus der Position durch den Verkauf von Call Optionen planst.

Beim Verkauf einer Call Option (Short Call) wirst du wieder Stillhalter – diesmal mit der Verpflichtung, die Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ausübungspreis zu verkaufen.

Wichtig: Ich empfehle den Verkauf von Call Optionen nur, falls deine Position durch eine Aktienposition gedeckt ist, in unserem Beispiel der AT&T Aktie also kannst du eine Call Option pro 100 Aktien verkaufen.

So könntest du in Szenarien 2 oder 3 eine Call Option zum Ausübungspreis von 30 USD verkaufen, zum Beispiel zum 16. Juli 2021. Nehmen wir an, du erhältst dafür 1 USD (also 100 USD pro Optionskontrakt).

Liegt am 16. Juli 2021 die Aktie unter 30 USD, ist die Call Option wertlos. Du behältst somit die Aktienposition und kannst eine neue Call Option verkaufen. Liegt der Kurs darüber, wird deine Position verkauft.

Angenommen du verkaufst die Call Option für 100 USD und die Aktie wird am 16. Juli 2021 für 30 USD durch deine Call Option verkauft, sieht dein Profit wie folgt aus:

80 + 100 + 104 = 284 USD

Wobei 80 USD der Nettoprämie beim Verkauf der Put Option (Short Put minus Long Put) entspricht, 100 USD der Prämie beim Verkauf der Call Option und 104 USD den zwei Quartalen Dividende von jeweils 0.52 USD x 100 (vor Steuern).

Bei einem unveränderten Aktienkurs von 30 USD zwischen deinem Put Verkauf heute und dem Verkauf deiner Position am 16. Juli 2021 hast du wie folgt verdient:

Dividende (vor Steuern): 104 / 3000 = 3.5% plus

Verkauf von Optionen: (80+100) / 3000 = 6.0%

Du hast dein Einkommen durch die Aktie somit mehr als verdoppelt (284 USD anstatt 104 USD bei einem Aktieninvestment ohne die hier besprochene Optionsstrategie). Deine 9.5% in 4 Monaten entsprechen einem annualisierten Gewinn von c. 28.5%.

Diese Strategie kann je nach Aktie, Zeithorizont und Risikoappetit angepasst werden. Put und Call Option sollten wie gesagt meiner Meinung nach nie ohne „Schutz“ (Long Put zu niedrigerem Ausübungspreis bei einem Short Put, oder Long Call zu höheren Ausübungspreis oder entsprechende Aktienposition bei einem Short Call) verkauft werden.

Ist eine Position von 3000 USD für dein Portfolio zu hoch, empfehle ich die Suche nach einer Aktie mit einem niedrigeren Kurs, zum Beispiel unter 10 USD oder EUR. So müsstest du bei einem Optionskontrakt von 100 Anteilen nur eine Aktienposition von 1000 USD aufnehmen.

Fazit: Konservative Optionsstrategie als Hilfe zum langfristigen Vermögensaufbau

In diesem Artikel habe ich dir gezeigt, wie du mit einer relativ konservativen Optionsstrategie Aktien mit einer hohen Dividendenrendite kaufen kannst, um das Einkommen von deinen Aktienpositionen signifikant zu erhöhen.

Selbstverständlich erfordert diese Optionsstrategie mehr Zeit und Recherchen als der traditionelle Aktienkauf. Angesichts der wesentlich höheren potenziellen Rendite wird sich diese Strategie aber auszahlen, wenn du schneller und ohne übertriebene Risiken langfristig dein Vermögen aufbauen willst.

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1 Gedanke zu „Optionsstrategie als zusätzliche Einkommensquelle“

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