Lohnt sich der Hauskauf in Leipzig noch?

Hauskauf Leipzig

Als ich 2011 zum ersten Mal Leipzig besuchte, wurde die Stadt ab und zu als das „neue Berlin“ bezeichnet: Hohe Leerstandsquote, niedrige Mieten, attraktives kulturelles Angebot, wachsende Kreativ- und Techszene, allmähliche Gentrifizierung. Besonders im Leipziger Osten gab es zahlreiche leerstehende, sanierungsbedürftige Altbauten, welche für unter 100.000 Euro zu verkaufen waren. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall – doch lohnt sich der Hauskauf in Leipzig auch jetzt noch?

Positive Bevölkerungsdynamik

Leipzig ist zur deutschen Großstadt mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum geworden. Und laut Prognosen soll sich dieses weiter positiv entwickeln.

Bevölkerungsprognose Leipzig
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Amt für Statistik und Wahlen

Denn Leipzig ist ein wichtiger Standort für die Automobilindustrie (BMW, Porsche), Logistik (Amazon) und für neue Technologien (Gesundheitswirtschaft, Biotechnologie). Außerdem zählt die über 600 Jahre alte Universität mehr als 20.000 Studenten. Diese Faktoren führen dazu, dass junge Menschen und Familien für den Beruf oder das Studium nach Leipzig ziehen – und auch gern dort bleiben.

Zunehmendes Anlegerinteresse an Immobilien in Leipzig

Leipzigs zahlreiche denkmalgeschützte Altbauten und Gründerzeitgebäude sind in den letzten zehn Jahren daher sowohl für Privatinvestoren als auch für professionelle Anleger immer interessanter geworden. Dies umso mehr, weil die Immobilienpreise in Berlin, München oder Hamburg bereits wesentlich stärker gestiegen waren.

Angesichts dessen sind sanierungsbedürftige Altbauten in Leipzig heute somit viel schwieriger zu finden – und wenn, dann zu einem wesentlich höheren Preis. So kosten solche Immobilien in Leipzig heute eher um die 1.000 EUR pro Quadratmeter (im Vergleich zu 100 bis 300 EUR vor zehn Jahren).

Lohnt sich der Hauskauf in Leipzig?
Quelle: Immobilienscout24

Doch im bundesweiten Vergleich bleiben Immobilienpreise in Leipzig attraktiv: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Wohnung in Leipzig lag im 2. Quartal 2020 laut dem Immobilienscout Preisatlas bei 2.223 EUR (Berlin lag im Vergleich bei 3.992 EUR und München bei 7.155 EUR).

Immobilienpreise Leipzig und Umland
Quelle: Postbank, HWWI, Focus

Zwar gibt es in Leipzig zahlreiche Neubauvorhaben, doch wie so oft hinkt das Angebot hinter der Nachfrage nach Wohnraum. Zu wenig Neubau ist in großen Städten nämlich ein deutschlandweites Problem. Es wird somit noch sicherlich einige Jahre dauern, bis sich der Wohnungsmarkt entspannt. In der Zwischenzeit ist mit einem weiteren Anstieg der Immobilienpreise in Leipzig zu rechnen.

Leipziger Mieten noch relativ niedrig

Die Mieten in Leipzig sind im bundesweiten Vergleich noch relativ niedrig, was die Stadt auch für junge Leute und Studenten besonders attraktiv macht. So liegt die Leerstandsquote mittlerweile nur noch mehr auf c. 3,5%, nachdem sie vor 10 Jahren noch knapp unter 10% lag.

Folglich steigen die Mieten angesichts der hohen Nachfrage und der zunehmenden Knappheit entsprechend schnell.

Entwicklung der Mieten in Leipzig
Quelle: LVZ, IVD, Ideeplusgeld.de

Stadtteile wie Plagwitz, früher eine Arbeiterviertel, oder der Leipziger Osten, wo die Eisenbahnstraße von manchen noch als sozialer Brennpunkt betrachtet wird, werden heutzutage zunehmend gentrifiziert. Leerstehende Gebäude wurden teil- oder vollsaniert und von jungen Familien, Künstlern oder Kreativen bezogen.

Diese Entwicklungen kommen im Leipziger Mietspiegel zum Vorschein. Im neuen Mietspiegel, der im Frühjahr 2021 veröffentlicht werden soll, kann daher mit weiteren Anstiegen der Mieten gerechnet werden.

Heutzutage ist bei einem mittleren Wohnwert mit 6 bis 7 EUR pro Quadratmeter zu rechnen. In einem sanierten Gebäude in Toplage mit guter Ausstattung können ca. 10 EUR pro Quadratmeter erzielt werden. Beim Erstbezug in einem Neubau steigen die Mieten auf bis zu 13 EUR pro Quadratmeter.

Großes Potenzial im Leipziger Umland

Außerdem steckt im Umland noch Potenzial: Liegt der Vervielfältiger (das Verhältnis von Kaufpreis zu Mieten) in Leipzig im Durchschnitt knapp unter 30 (also immer noch weit unter München, Hamburg oder Berlin), ist er im Leipziger Umland noch wesentlich niedriger.

Wirtschaftlich und auch verkehrsmäßig fungiert Leipzig nämlich als das Rückgrat der weiteren Metropolregion in Nordsachsen und Mitteldeutschland. Umso interessanter ist daher das gute Liniennetz der S-Bahn um die Region Leipzig, welches weiter ausgebaut werden soll.

Kleinstädte mit noch sehr erschwinglichen Immobilienpreisen wie Wurzen, Eilenburg oder Altenburg gewinnen somit zunehmend an Attraktivität. Dies ganz besonders für junge Familien, die sich nach günstigeren Mieten und mehr Platz sehnen.

Dieser Trend der Suburbanisierung wird höchstwahrscheinlich noch durch die Coronakrise weiter verstärkt. Obwohl die Bevölkerung Leipzigs weiter steigen soll, wird nach wie vor davon ausgegangen, dass jene im Umland der Messestadt weiter sinkt. Ich gehe davon aus, dass das Wachstum des Umlands hier eindeutig unterschätzt wird.

Leipziger Wohnungspolitik noch nicht von Populismus geprägt

Das politische Umfeld in Leipzig ist wirtschaftsfreundlicher als zum Beispiel in Berlin.

Zwar werden potenzielle Milieuschutzgebiete auch in Leipzig von der Politik diskutiert, diese gibt es aber im Gegensatz zu anderen Städten wie Berlin noch gar nicht. Auch die Gefahr, dass eines Tages ein Mietendeckel eingeführt wird, ist momentan sehr gering.

Fazit

Der Hauskauf in Leipzig bleibt nach wie vor attraktiv. Besonders das Umland wird in den nächsten Jahren sehr vom Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum der Stadt profitieren.

Die Entwicklung des Immobilienmarkts in Leipzig sehe ich ähnlich wie jene in Berlin, nur liegt Leipzig ca. fünf bis sieben Jahre hinter der Hauptstadt. Gleichzeitig bin ich zuversichtlich, dass der Leipziger Wohnungsmarkt zumindest vorläufig weniger reguliert bleibt als jener Berlins.

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